Schweizer CIO auf einer schwierigen Gratwanderung

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08 June 2018

Laut der Harvey Nash/KPMG CIO-Umfrage 2018 erhöhen die Geschäftsleitungen ihre Investitionen in Datensicherheit und Datenschutz, um Datenverstösse zu vermeiden. In der Schweiz war die Hälfte der Befragten per 3. April 2018 noch nicht GDPR-konform.

Die CIOs begehen aktuell einen Drahtseilakt. Einerseits sollen sie Innovationen vorantreiben, die Transparenz fördern und den verantwortungsvollen Umgang mit Kundendaten im gesamten Unternehmen sicherstellen. Zum anderen soll die Berichterstattung über Cybersicherheit, Datenintegrität und Ausfallsicherheit verbessert werden. Die richtige Balance zwischen Innovation und Governance zu finden ist der Punkt, an dem die heutigen CIOs etwas bewirken können.

Die CIO-Umfrage 2018 von Harvey Nash/KPMG beleuchtet, wie CIOs diesen Spagat meistern. Mit der Teilnahme von 3.958 Technologie-Führungskräften aus 84 Ländern - darunter die Schweiz - ist dies die grösste jemals durchgeführte Umfrage zur IT-Führerschaft.

Die Umfrage beleuchtet den Umgang mit den sich veränderten Prioritäten des Vorstands, dem Wettlauf um die Einhaltung der GDPR-Richtlinien, dem Kampf um Talente in neuen Technologien sowie dem Umgang mit grossen Datenmengen - Einige kritische Erkenntnisse sind das Ergebnis.

Umgang mit der Digitalisierung

Mehr Unternehmen haben digitale Strategien als je zuvor, aber wie effektiv sind sie? Um beim digitalen Erfolg zu helfen, bewähren sich die Chief Digital Officers (CDOs). Im Vergleich zu globalen Peers haben Schweizer Organisationen eher einen eigenen CDO (Schweiz: 15%; Global 11%). Der Bericht zeigt auch, dass die einflussreichsten und erfolgreichsten Unternehmen sehr darauf bedacht sind, ihren Kunden einen Mehrwert zu liefern - weltweit sind "kundenorientierte" Unternehmen um 38 Prozent profitabler als ihre Wettbewerber.

Dennoch stellt die Entwicklung hin zu digitalen Plattformen und Lösungen eine grosse Herausforderung für CIOs dar. Während Unternehmen erkennen, dass eine effektive digitale Strategie entscheidend für eine erfolgreiche Datensicherheit ist, berichten viele, dass sie immer noch Probleme haben - 37 Prozent geben an, dass sie keine klare digitale Geschäftsvision und Strategie haben.

Bereit für GDPR

IT-Führungskräfte stehen heute vor der Herausforderung umfangreiche, kundenorientierte Daten in einer risikobehafteten Umgebung bereitzustellen. Datenvertrauen und Datenschutzbedrohungen rücken weiterhin in den Fokus der CIOs. Doch während die Massnahmen zur Verbesserung der Datensicherheit laufen, erwartete fast die Hälfte (47%) der im April befragten Schweizer Organisationen, dass sie zum Stichtag am 25. Mai nicht GDPR-konform sind.

Vertrauen ist das neue Kernthema für die IT, da Unternehmen das umsatzsteigernde Potenzial der Nutzung von Kundendaten mit dem Bedürfnis nach Privatsphäre und Sicherheit in Einklang bringen müssen. Das Bestreben Daten zu schützen, hat zu einer enormen Nachfrage nach "Sicherheits- und Widerstandsfähigkeitskompetenz" geführt, die mit einem Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr weltweit am stärksten zugenommen hat.

Verlagerung der operativen Prioritäten

Der Schutz des Unternehmens vor einem Cyber-Angriff ist weiterhin ganz oben auf der Tagesordnung und IT-Führungskräfte werden ermutigt, ihre Verteidigung gegen Angriffe so gut wie möglich zu gestalten.

Die Umfrage ergab, dass 40 Prozent der 126 Schweizer Befragten der Verbesserung der Cybersicherheit priorisieren, da die Bedrohungen durch Cyberkriminalität ein Allzeithoch erreicht hat. Allerdings werden auch den operationelle Risiken und der Einhaltung von Regulierungen eine hohe Bedeutung zu gemessen (28%). Diese beiden Bereiche stellen die am schnellsten wachsenden IT-Prioritäten der Schweizer Verwaltungsräte dar.

Schweizer IT-Führungskräfte sind mehr über die Bedrohung durch organisierte Cyberkriminalität besorgt als die globalen Kollegen (Schweiz: 85%); Weltweit: 77%). Aber nur ein Fünftel (21%) der Schweizer und globalen CIOs geben an, dass sie für einen Cyber-Angriff gut gerüstet sind.

Die richtigen Talente finden

Mehr als die Hälfte der Schweizer Unternehmen (61%) finden die Talente nicht, die für den nötigen digitalen Fortschritt der Unternehmen angestellt werden müssten. Wenn es um neue Technologien geht, kämpfen 38 Prozent um Talente in Bezug auf künstliche Intelligenz und 27 Prozent finden die Fähigkeiten am Markt nicht, die für Automatisierung und Robotik notwendig sind.

Im vierten Jahr in Folge sind Mitarbeiter die grosse Datenmengen analysieren können die Nummer eins unter den knappen Ressourcen (46 Prozent). Fast ein Drittel der Schweizer Unternehmen (32%) findet Talente mit diesen digitalen Fähigkeiten nicht auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt.

Die Anzahl der weibliche IT-Führungskräfte entwickelt sich weiterhin ausserordentlich langsam, in diesem Jahr stieg der weltweite Anteil auf 12 Prozent (Global) - gegenüber 10 Prozent im Vorjahr. In der Schweiz stellen Frauen nur 15 Prozent der Technologie-Teams, etwas weniger als der weltweite Anteil von 21 Prozent.

Die Branche scheint deutlich gespalten zu sein, inwieweit Geschlechtervielfalt für den Geschäftserfolg wichtig ist. Etwas mehr als ein Viertel (29%) der Schweizer IT-Führungskräfte sagen, dass Integration und Vielfalt keinen Einfluss auf die Erreichung von Geschäfts- und Technologiezielen haben. Dreiundfünfzig Prozent geben an, dass es einen gewissen Einfluss hat, und 19 Prozent sagen, dass Einbeziehung und Vielfalt die Geschäfts- und Technologieziele in hohem Masse beeinflussen.

Zusammenfassung

Die scheinbar unausweichliche Notwendigkeit eines Cyber-Angriffs hat nun die Schwelle für Diskussionen auf Geschäftsleitungsebene deutlich überschritten. Die Schweizer CIOs stehen wie ihre globalen Kollegen unter zunehmendem Druck, ein schwieriges Gleichgewicht zwischen Innovation, Cybersicherheit und Governance zu finden. Es ist eine grosse Aufgabe. Aber es ist auch höchste Zeit zu handeln, denn Vertrauen ist entscheidend für den Geschäftserfolg und die Gesundheit unserer digitalen Wirtschaft.


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